Mit dieser Aufforderung des Chorleiters Sven Irrgang begann der dreitägige Herbstworkshop des Senftenberger Konzertchores am vergangenen Wochenende.
Jedes Jahr stellt sich der Chor schon im September auf die intensiven Proben für die Weihnachtskonzerte ein. Dabei geht es vor allem um neu einzustudierende Stücke, aber auch die miteinander verbrachte Zeit ist wichtig für das Gemeinschaftsgefühl. Immerhin gibt es einen großen Altersunterschied zwischen der jüngsten 20jährigen Lisa Bruntsch und der ältesten Sängerin, Brigitte Lehmann mit 77 Jahren. Verständnis füreinander, fröhliche Stimmung und die zuverlässige Teilnahme an allen Proben sind seit Jahren ein Garant für Qualität und eine gute Konzertpräsentation.
Das geplante außergewöhnliche Repertoire, mit dem der künstlerische Leiter Sven Irrgang den Chor immer wieder überrascht, ist es auch, was die Sänger sogar aus der Ferne anlockt. Auf den weitesten Weg macht sich regelmäßig Christian Raspe aus Wuppertal, der durch seine Mutter musikalisch geprägt wurde und den Chor als Verbundenheit mit der Heimat betrachtet. Ein anderes, besonderes Beispiel ist Kerstin Schöne aus Dresden, die seit 16 Jahren mitsingt. Ihr gefällt die menschliche Wärme, die Fröhlichkeit, das herzliche Lachen miteinander und der hohe Anspruch des Chores. Für sie ist das Singen der Ausgleich zum stressigen Arbeitsleben, bei dem sie den Alltag ausblenden und sich bewusst ablenken kann. "Das hat einen äußerst positiven Einfluss auf meine Seele", erzählt sie.
Der Chor hat sich auch dieses Jahr viel vorgenommen. Bekannt für kleine Experimente oder Weihnachtslieder in vielen europäischen Sprachen wie englisch, finnisch, schwedisch, natürlich auch deutsch und lateinisch verschafft ihm immer wieder seinen besonderen Ruf.
Die Proben an drei Tagen hintereinander waren anstrengend und erforderten hohe Konzentration. Mit strengen Hinweisen des Chorleiters wie "Töne dürfen keinen Impuls bekommen, sie müssen schweben" oder "Gerade sitzen, Spannung im Körper haben" kam man als Sänger schon manchmal an seine Grenzen. Aber die belustigenden Kritiken "Tendenziell weiß man, was ihr meint" und "Der Alt macht es ganz clever. Bei Unsicherheit singen sie leise und sagen dann, sie wollten einfach ein schönes Piano präsentieren" halfen über Klippen und machten die Proben zu etwas Einmaligem.

Was ist aber ein Chor, der es nicht versteht, die freien Abendstunden miteinander in Harmonie oder Fröhlichkeit zu verbringen? In diesem Jahr hatte die Vorsitzende des Vereins, Jeannine Kanno, eine besondere Überraschung parat. In einem Bildervortrag erzählte sie von ihrer 900 Kilometer weiten Wanderung auf dem Jakobsweg nach Santiago. Mit großem Interesse und Bewunderung honorierten die Chormitglieder ihre kraftvolle und mutige Aktion.
Nun heißt es in den verbleibenden zehn Proben an vielen Details und der Aussagekraft der Lieder zu arbeiten. Gern erinnert sich der Chor daran, dass es beim Weihnachtskonzert im vergangenen Jahr keine freien Plätze mehr in der großen Peter-Paul-Kirche gab. Wenn es auch dieses Mal gelingt, Zuhörer zu begeistern, zu erfreuen und sie mit einem Hochgefühl die Kirche verlassen, hat sich die Mühe gelohnt und die Weihnachtsbotschaft behält ihren besonderen Sinn.

Gabriele Philipp

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